2016 war so…

Die Tour beginntDie Tour beginnt

Ruhig war es hier. Nix mehr geschrieben seit Monaten. Warum? Ja, warum? Ladehemmung? Einfache Schreibblockade? Hm, nee. Mehr so „Was soll ich nur schreiben? Ist alles so schön bunt hier!“

Wenn ihr sehen könntet, wieviele Entwürfe ich in den letzten Wochen gesammelt habe… Eat & Style Food Festival in D’dorf, Lichterfest in der Altstadt, das Fashion-Hotel mit dem Mord-auf-Zeit Krimiladen, Torsten Sträter, Greta & Claus-Markt und jede Menge Kochdichglücklich-Events… da kommt der Kopf schon mal ans Rauschen.

Jahresrückblick

Hatte sogar einen Jahresrückblick gestartet. Hab mich aber verfranst und es aufgegeben. Wenn ich mir meine Fotoalben anschaue (nee, keine echten, nur digitale. Ich lebe ja in der Neuzeit!), dann ist ja doch jede Menge Positives in diesem unsäglichen 2016 passiert. Wenn ich meinem Gefühl vertraue, dann war es ein Jahr mit unglaublichen Brüchen und absurden Entscheidungen. Wie der Brexit oder die Wahl von Donald Trump. Auch Österreich hat uns in Spannung gehalten. In Aleppo steht nach 5 Jahren Krieg kaum mehr ein Stein auf dem anderen, viele verehrte Menschen haben uns verlassen. Viele davon Idole von mir wie David Bowie, Roger Willemsen, Prince und Lemmy Kilmister. Die „Flüchtlingswelle“ spaltet unser Land in einer mir nicht nachvollziehbaren Art und Weise, Fremdenhass etabliert sich auf perserven Wegen, wie z. B. über die sozialen Medien. SOZIALEN Medien, wohl bemerkt! Was ist an dem, was da an Hasstiraden und hemmungslosen Vorurteilen durch das Netz eilt, noch sozial?

Dann häufen sich die Attentate in unserer Nähe. Ach, was für ein Scheißsatz. Nein, sie häufen sich nicht. Es sind ein paar. Im Verhältnis zu dem Elend in vielen anderen Ländern der Welt relativ wenige, aber jeder Tote, Verletzte oder dadurch traumatisierter ist immer einer zu viel. Egal wo, egal wie.

Das ist alles nicht neu. Wir hatten schließlich auch vor nicht allzu langer Zeit Krieg im Lande. Und da geschahen viele, viele Attentate. Oder heißt es nicht mehr Attentat, wenn die an der Macht stehenden willkürlich Menschen morden? Dennoch war lange Zeit „Frieden“. Bis auf die Zeit der RAF. Da waren es intellektuelle Linke, die sich das Recht nahmen, Menschen im Namen der vermeintlichen Gerechtigkeit zu morden. War nie mein Ding, auch wenn ich grundsätzlich bestimmt deutlich mehr links als rechts einzuordnen bin.

Fanatismus

Fanatismus war für mich immer schon unverständlich. Ganz egal, wo er sich austobt. Wenn jemand fanatisch wird, geht es nicht mehr um Lösungen, sondern um eine gekränkte Persönlichkeit. Eine hoch verletzbare Persönlichkeit mit der unglückseeligen Kombination aus Empfindsamkeit und überhöhten Selbstwert, der sehr schnell kippen kann. Aber Fanatismus ist nicht vom Geburtsland oder Geschlecht abhängig. Wie genau er entsteht, weiß ich nicht. Wie er sich auswirkt, schon eher.

Deshalb fiel es mir so schwer, einfach so flockig und frei einen Beitrag zu schreiben. Jedesmal, wenn ich gerade anfing zu schreiben, kam irgendeine Meldung, die mich mächtig aus dem Konzept brachte. Dieser Beitrag könnte ellenlang werden, wenn ich  alleine all meine Gedanken zu Trump oder Brexit niederschreiben würde.

Doch das Leben ist mehrschichtig. Findet auf so vielen verschiedenen Ebenen statt. Ich habe – ist es Zufall – das Hörbuch „Nachtigall“ in die Finger bekommen und verschlungen. Die Beschreibung eines recht normalen Familienalltags in Frankreich und die widerwillige Akzeptanz des Einzugs ‚anderer Zeiten‘ durch den zweiten Weltkrieg. Bedrückend. Mit einem Mal so nah. Hatte immer gedacht, dass wir kollektiv so weise durch die Erfahrungen des 2. Weltkrieges geworden sind,  dass ein so verheerender Fremdenhass hier keinen Platz mehr finden würde. Statt dessen zeichnen sich hier erschreckende Parallelen auf. Sehr gerne stelle ich in 10 Jahren fest, dass ich mich geirrt habe und die angespannte Lage in der Welt nur subjektiv von mir empfunden wurde.

Doch als waschechter Optimist stecke ich natürlich immer wieder meine Nase in den Himmel und freue mich an den guten Dingen in meinem Leben. Nehme es wahr, genieße es und erhalte mir mein Lebensgrundgefühl, dass darauf vertraut, dass die meisten Menschen doch positiv unterwegs sind.

Fromme Wünsche

Also, zurück zum Start: 2016 war durchwachsen. Sehr. Aber es gab auch verdammt tolle Erlebnisse. Manche ganz klein und fast unsichtbar, manche laut und raumnehmend. Insgesamt kann ich mich wirklich nicht beklagen. Mir geht es gut. Ich habe jede Menge nette, kreative Menschen um mich herum, bin frei, kann meine Meinung sagen, meine Miete zahlen, hab einen Job, bin gesund, hab den weltbesten Engländer und die sowieso beste Tochter. Und ich habe Wünsche. Für 2017, für 2018 und bis ans Ende aller Zeiten: ich wünsche mir ein wenig Demut, Zufriedenheit, offene Herzen, Lachen und Toleranz. Die Welt ist so viel bunter, als unser beschränkter Horizont es zulässt. Lass uns neugierig sein und die Welt mit offenen Armen empfangen. Klingt abgedroschen, ist mir aber ernst gemeint.

 

Und was meinst Du dazu?