Alles toll

an der See ist alles gut

Eine Bekannte von mir fragte mich letztens unvermittelt: „Sag mal, findest du auch mal jemanden nicht toll?“

„Ja, schon…, aber wieso fragst du?“ hätte ich antworten sollen. Hätte ich. Hab ich aber nicht.

Statt dessen Kopfkino:

  • Hält sie mich für (zu) naiv?
  • Aber den und die, die finde ich doch gar nicht so prall…
  • Ist das jetzt nett gemeint?
  • Finde ich echt so viele Leute toll? Wäre ja prima!

Geantwortet habe ich wie so oft. Meinte, mich rechtfertigen zu müssen. Erklären zu müssen. Habe Beispiele von Menschen gefunden, die ich eben doch nicht so dolle finde.

Ich fühlte mich beurteilt. Negativ beurteilt. Und zack – funktionierte ich wie auf Kopfdruck. Relativierte, lamentierte, suchte krampfhaft nach nicht tollen Menschen. Und ärgerte mich zeitgleich. Über meinen mangelnden Mut, einfach zu sagen: „Stimmt, du hast recht, ich finde viele Menschen toll. Ist das nicht schön?“

Bad news are good news?

Oft beobachte ich, dass Menschen sich über das Negative verständigen. Schnell entsteht Einigung, wenn es darum geht, Defizite zu benennen. Also die der anderen, versteht sich.

Auch werden Menschen, die grundsätzlich nölen und alles kritisieren, oft als kompetent(er) und intelligent(er) angesehen, als Menschen, die einfach Zufriedenheit ausstrahlen. Das ist jetzt natürlich sehr pauschal dargestellt und natürlich davon abhängig, wie die Kritik vorgetragen wird. Doch tendenziell ist es wohl so.

Komisch, oder? Warum fällt es uns so schwer, etwas positiv zu betrachten? Einfach mal glauben zu können, dass etwas gut ist. Nicht perfekt, aber gut. Reicht doch auch.

Always look at the bright side of life

Ich möchte das nicht. Möchte meinen Blick nicht auf das Negative lenken. Das hat nichts mit Naivität zu tun. Mehr mit einer freiwillig getroffenen Wahl. Sicherlich nehme ich auch Dinge wahr, die mich massiv ärgern. Und ich mache auch meinen Mund auf, sage meine Meinung. Aber die Grundhaltung, die ist positiv. Ich gehe erst einmal davon aus, dass mein Gegenüber nicht in übler Absicht gehandelt hat. Versuche, sein Handeln erst einmal positiv zu betrachten. Und wenn es dann wirklich etwas gibt, was mich nachhaltig stört, dann werde ich das auch benennen. Aber nur dann. Und in allen anderen Fällen gebe ich lieber ein positives Feedback. Macht mir und auch meinen Mitmenschen das Leben angenehmer.

Und ja, ich finde viele, viele Menschen toll.
Isso!

Und was meinst Du dazu?