Hinter dem Vorhang

kunstpalast duesseldorf

Eigentlich hatte ich ein gemütliches Wochenende geplant. Ich fühlte mich doch recht ausgebrannt nach einer intensiven Arbeitswoche und wollte nur eines – ENTSPANNEN!

Da kam mir mein Sofa als erstes in den Sinn. Doch so richtig entspannt wäre es vielleicht gar nicht geworden. Hätte ich doch  genau die Dinge, um die ich mich eigentlich kümmern müsste, immer direkt im Auge gehabt. Das hätte sich erheblich auf meine Laune auswirken können.

Hoch vom Sofa

Deshalb bin ich rückblickend sehr froh, dass eine liebe Freundin von mir un-be-dingt nach Düsseldorf in die Ausstellung „Hinter dem Vorhang“ im Museum Kunstpalast wollte. Es war der vorletzte Tag, noch dazu Samstag. Um nicht ganz in den Massen zu verschwinden, haben wir uns früh aufgemacht. Das war gut so, die Ausstellung war sehr gut besucht.

Verständlich, gab es doch mehrere Aspekte, die diese Ausstellung besonders machten. Zum einem war es die Verbindung der Themen „Vorhang – Verhüllung – Geheimnis – Verborgenes“, dann war es die leichte und fast spielerische Verbindung von so vielen Epochen und Kunststilen. Nicht zuletzt war es aber auch ein Abschiedsgeschenk eines großen und kunstverständigen Mannes: Beat Wismer.

Was verbirgt sich hinter dem Vorhang?

Hinter dem Vorhang

Hinter dem Vorhang

Mit einem sehr feinen Gespür für Gemeinsamkeiten, die zum Teil erst erspürt werden mussten, gestaltete sich die Reihenfolge der Kunstwerke. Bei den „alten Meistern“ wie Rubens und Tintoretto faszinierte die Farbenintensität, die Üppigkeit der Figuren und die Dramatik. Dazwischen ganz viel Mystik: um die Jesusgeschichte, um Heldentum und verlogene Keuschheit. Zum Teil erschreckend brutal wie bei der Enthauptung von Holofenes durch die tollkühne Judith, die dadurch ihr Volk befreite, zum Teil verklärend wie bei den Abbildern von Jesus Antlitz auf Veronikas Tuch.

Immer wieder wurde die scheinbar so harmonische Abfolge durch Stilbrüche, durch neue Blickwinkel gestört. So gab es inmitten der altertümlichen Gemälde ein Bild von Cindy Shermann. Eine Persiflage auf Botticellis  Darstellung von „Judith und Holofenes“. Klasse!

Eine Reise durch die Zeit

Die Ausstellung war unterteilt in zwei Bereiche. Im ersten Bereich wurde die gesamte Kunstgeschichte seit dem 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit gezeigt. Der Schwerpunkt lag bei den alten Werken. Ein paar Zeitgenössige waren untergemengt, doch die Atmosphäre kam von den alten Meistern.

Ganz anders war es im 2. Teil. Hier bestimmte die zeitgenössische Kunst,  die ungebremste Kreativität namhafter Künstler wie Christo mit seinem verpackten Beetle (ein Nachbau eines seiner ersten Kunstwerke in den 60ern), Sylke von Gaza mit ihren an Vorhänge erinnernden Werken und Stefan á Wengen mit seinen leicht düsteren und dennoch anmutigen Werken. Sein Zirkuszelt mit Wänden wie Vorhängen hat mich sehr gefangen genommen. Je weiter ich entfernt stand, desto mehr schimmerte dieses Bild in Gold und Schwarz wie ein Palast, je näher ich kam, desto mehr wurde es wieder zu einem einfachen Zirkuszelt. Faszinierend.

Ein imposanter Abschied

In Summe der gelungener Abschied eines Menschen, dem es in der Zeit seiner Museumsleitung immer darum ging, die verschiedenen Epochen zu verbinden. Das ist mit dieser Ausstellung ganz hervorragend gelungen. Danke, Beat Wismer.

P. S. leider war es nicht gestattet, innerhalb der Ausstellung zu fotografieren. Es hat mir ganz schön in den Fingern gejuckt. Die Zusammenstellung war sehr besonders. Jeder, der die Ausstellung besucht hat, weiß, wovon ich spreche. Für alle, die es nicht geschafft haben, hier als Trost die Geschichte des verpackten Beetles.

 

Und was meinst Du dazu?