Kurz hinterm Deich

hinterm Deich in HerwijnenSonnenuntergang am Deich
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Wir waren in den Niederlanden. Aber nicht am Meer, sondern an einem Fluss. Das ist mir vorher noch nie passiert. Zwar war ich schon oft in NL, ohne am Meer zu landen, doch da war es zumeist eine Stadt in direkter Nähe meines Wohnorts. Oder eben 4 Jahre lang Arnheim als Arbeitsort. Auch schon mal Maastricht oder Nijmegen. Doch ansonsten immer die Küste. Deshalb war die Reise in den Süden von Holland an die Waal schon eine Abweichung von meiner Norm.

That’s what friends are for

Darauf gekommen bin ich durch eine Freundin, die hier vor zwei Jahren Silvester verbrachte. Sie brauchte damals unbedingt Ruhe und Abgeschiedenheit und kam völlig begeistert zurück. Nachdem sie mir auch noch Fotos zeigte, wollte ich sofort auch dorthin. So idyllisch wirkte dieses Haus mit dem großen Garten. Doch es brauchte noch ein wenig Zeit, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Eben bis zu diesem Sommer.

Seele, baumle…

Da passte es perfekt. Wir wollten einfach mal nur entspannen, keine Aktion, kein Getümmel. Einfach ländlich und nett. So buchten wir 5 Übernachtungen in diesem kleinen Paradies und machten uns auf den Weg.

Schon schön, wenn es nur 2 Stunden Fahrt braucht, um gefühlt am Ende der Welt anzukommen. Es gibt in dem Dorf Namesn Herwijnen genau 1 Kirche, ein chinesisches Restaurant (welches wir nicht getestet haben), einen Spar-Supermarkt (mit hervorragenden Weinangebot) und eine Bäckerei mit wunderbarem Kuchenglück. Und Kühe. Jede Menge fröhliche Kühe, die auf den Auen am Fluß rumtollen. Gänse und Kraniche auch. Schafe, Ziegen und – tadaa! – STÖRCHE! Die hatte ich schon komplett aus meinem Tiergedächnis gestrichen.

Festival der Störche

Störche in der Nähe

Ein Storchennest in unmittelbarer Nähe

Ich wusste zwar, dass es die irgendwo noch geben musste, aber gesehen hatte ich schon ewig keinen mehr. Wie auch. Die tummeln sich ja alle im Sommer im Süden der Niederlande rum. Und ganz besonders viele in Herwijnen, wie uns Jared, unser Gastwirt für die nächsten Tage, berichtete. Es muss sogar eine Art Festival der Störche jedes Jahr geben. Der Tag, an dem sie sich auf den Weg in den Süden machen. Ein ziemliches Spektakel muss das sein. Das haben wir jetzt natürlich nicht erlebt. Dafür müssten wir im Herbst wiederkommen.

Ein kleines Paradies

Jared und seine Frau Lydi, die sich hauptsächlich um die Gäste kümmert, wohnen nun schon seit 24 Jahren in dem ehemaligen Haus des Bürgermeisters von Herwijnen. Ein stattliches Haus mit großem Garten, direkt am Deich der Waal gelegen und einfach tiefenentspannt wunderschön. Das Haus sowie die Bewohner sind so herzerfrischend unaufgeregt. Kaum möglich, sich hier nicht wohl zu fühlen. Ein wunderbares ‘sein und sein lassen’, verbunden mit schönen Räumen, gutem Essen (das Frühstück war jeden Morgen auf andere Art köstlich!) und einem Bett mit richtig guter Matratze. Wir haben hier geschlafen wie die Könige. So ruhig, so vertraut, obwohl doch eigentlich fremd.

Bärtje und Monkey

Katzendame Monkey

Monkey sucht Nahrung

Diese Entspanntheit ist auch bei den beiden Haustieren angekommen. Bärtje, die schwarze Labrador-Hündin und Monkey, die inzwischen 21-jährige(!) Katzendame, sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Bärtje führt ein Hundeleben, wie es eigentlich jedem Hund zu wünschen ist. Zwar trägt sie auch ein Halsband, aber ansonsten ist sie vollkommen frei. So zottelt sie immer genau dahin, wonach ihr gerade der Sinn steht. Meistens ist das zwar in direkter Nähe der Küche oder anderen Orten, an denen sie Essen vermutet, doch oft auch läuft sie einfach stillvergnügt am Deich rum und jagt Schmetterlingen hinterher. Selten ein so friedfertiges Tier erlebt.

Und Monkey, die alte Katzendame, misst kaum mehr als ein Kitten. Ihr Alter ist ihr nicht anzusehen, auch wenn Lydi erzählt, dass die Kleine langsam ein wenig tüddelig wird. So vergisst sie schon mal, wo ihr Fressen steht und miaut ganz fürchterlich, bis man sie vor ihren Fressnapf, der knapp 20 cm neben ihr stand, absetzt. Doch ansonsten wirkt sie fit und agil. Auch sie darf frei herumlaufen und folgt dir nur, wenn sie dich einigermaßen nett finden. Oder eben, wenn du nach Fressensgeber aussieht. Damit kannst du bei beiden punkten.

Wir haben die meiste Zeit draußen gefrühstückt – mit Bärtje auf der einen und Monkey auf der anderen Seite. Dazu noch der Blick in den Garten bis zum Deich, dahinter die Wolken und den zumeist blauen Himmel… Das Leben kann schon verdammt schön sein.

Musik verbindet

Lydi und Jared haben sich in Amsterdam kennengelernt, wo beide Musik studierten. Lange lebten sie auch in dieser Stadt, bis es sie aufs Land verschlug. In dieses Haus am Deich. Für Lydi war die Umstellung, das Leben außerhalb einer Großstadt, am Anfang schon eine echte Herausforderung. Zu sehr liebte sie das bunte Leben in Amsterdam, das Angebot an Kultur und die Vielzahl an Freunden, die “mal eben” vorbeikamen.

Doch das Leben auf dem Land hat durchaus Vorzüge. Und mit 3 Kindern wird es hier niemals langweilig. Und auch wenn inzwischen alle nicht mehr zu Hause wohnen, sondern – natürlich – in Amsterdam, bleibt das Haus am Deich ein Rückzugsort. Und ein Familientreffpunkt.

Familie

Das Wort wird hier groß geschrieben. Die Familie der beiden ist riesig und beschränkt sich nicht nur auf die Kinder. Auch Neffen, Nichten und deren Freunde sind regelmäßig zu Besuch. Ebenso wie die Musikfreunde, die Menschen, die mit Lydi und Jared zusammen Musik machen oder ihre Musik produzieren lassen. Das gehört untrennbar zu den beiden – die Liebe zur Musik. Speziell zur klassischen Musik.

Music was my first love…

Jared spielt hervorragend Horn, Lydi spielt bezaubernd Violine. Und auch Saxophon. Wobei sie sich hier als semiprofessionell, aber leidenschaftlich bezeichnet. Leider haben wir sie nicht selber spielen gehört, sonst könnte ich hier meine Eindrücke schildern.

Beide machten die Musik zu ihrem Beruf und gründeten 1990 Channel Classics, ein Musiklabel mit internationalen Musikern. Wir hatten das Glück, einige ihrer CDs morgens beim Frühstück zu hören. Sehr zu empfehlen.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Was für ein schönes Haus

Ach, was soll ich sagen – es war einfach so… genau richtig. Wen wundert’s, dass wir auch bei vielen Lebensfragen einer Meinung waren. Seelenverwandt. Genauso hat es sich angefühlt.

Wir können dieses kleine Paradies am Deich nur allen ans Herz legen, die sich auch einmal von dieser besonderen Atmosphäre gefangen nehmen lassen wollen. Die gerne die Seele baumeln und sich von Lydis Lachen anstecken lassen möchten. Oder von Bärtjes Müßiggang, oder von Monkeys Verfressenheit, oder…

Zu finden über Airbnb

Zu buchen ist das Paradies über Airbnb. Und hier noch ein paar Bilder, die sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

P. S. wer neben dem Landleben Sehnsucht nach zumindest ein bisschen Stadtleben hat, kann sich die umliegenden Städtchen anschauen. Zu empfehlen ist s’Hertogenbosch (wunderbare Altstadt), Dordrecht (hier besonders oder auch schon fast ausschließlich die Villa Augustus) und auch Gorkum. Und bis nach Amsterdam (ca. 1 Std.), Rotterdam (ca. 45 Minuten) und Den Haag (ca. 1 Std.) ist es auch nicht weit. Da gibt es dann das volle Großstadtprogramm.

Und was meinst Du dazu?