Very british

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Ich mache ja kein Geheimnis daraus – in meinem Haushalt lebt ein Engländer. Trotz weniger geschmacklichen Übereinstimmungen bei der Essensauswahl.

Natürlich habe ich mir einen von den Guten ausgesucht. Einen, der mehr dem Gentlemen denn dem rumpöbelnden Altstadtbesucher der 90ern entspricht, als hier in Mönchengladbach noch das JHQ in voller Blüte (darf man das in diesem Kontext so nennen?) stand.

England. Hm, ja, hm. Ich war ja ein paar mal da. Aber ehrlich gestanden erst, nachdem ich mit dem Engländer angebandelt hatte. Vorher nie. I swear.

Und mit so einem Engländer an der Hand präsentiert sich das Land natürlich anders. Überall da, wo ich verständnislos vorstand, wurde mir quasi direkt einen Untertitel eingeblendet. War eine interessante Erfahrung. Mit sehr gemischten Gefühlen.

Torquay

Pier in Torquay

Hin- und hergerissen zwischen wunderschöner Landschaft (Schatzi kommt aus Torquay – malerisch an der ‚englischen Riviera‘ gelegen) imposanten Grafschaften und eben Engländern. Oh, das hört sich böse an. Böser als gemeint. Ich mag sie ja.

Meistens.

Außer…

…wenn sie bei gefühlten 0 Grad immer noch in Shorts und T-Shirt rumlaufen

…oder Nachmittags schon unter Absingen schmutziger Lieder im Pub rumgrölen

…oder einfach mal so für den Brexit stimmen

Shocking News

Das war auch für meinen Engländer ein regelrechter Schock. War er doch bis dahin immer ein stolzer Brite, der sich auch strikte weigerte, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, da  – einmal Brite, immer Brite – so war er jetzt mit Fremdschämen beschäftigt.

Gerade er, der den Einzug der Briten in die EU mit einer Reise durch Europa via Interrail-Ticket gefeiert hatte und bei der Gelegenheit auch bei uns, in Mönchengladbach, hängengeblieben war (wie konnte das eigentlich passieren, wenn man durch Europa reist???), gerade er hat so überhaupt kein Verständnis für die Kurzsichtigkeit seiner Landsleute. Das ist ein Thema, zu dem er gerne Auskunft gibt. Um Voranmeldung wird höflichst gebeten. Und bringt Zeit mit.

Unabhängig vom unsäglichen Brexit gibt es aber very britishe Dinge, die ich nicht missen möchte. Teatime zum Beispiel.

Frühstück, wie es meinem Engländer gefällt

Frühstück, wie es meinem Engländer gefällt

Oder English Breakfast. So richtig deftig mit Eiern, Speck, kleinen Bratwürstchen und Beans. Auch wenn mein Magen und meine eher vegetarische Gesinnung das nur sehr eingeschränkt zulassen. Doch hin und wieder…

Allem voran gibt es aber etwas, ohne dass für mich die Beherbergung eines Engländers niemals in Frage gekommen wäre – der britische Humor.

Black is beautiful

Trocken, tiefschwarz und immer extrem höflich vorgetragen – einfach genial! Hat schon immer meinen (Humor-) Nerv getroffen. Und genau damit hat mein Engländer auch mein Herz erobert. Unser erstes Aufeinandertreffen fand in einer Galerie eines Freundes statt. Es war Sonntag und wie üblich fand eine Vernissage statt. Und wie üblich war ich als Sektschnepfe unterwegs. Im Rahmen meines Auftrags hab ich auch den Engländer gefragt, was er so von der ausgestellten Kunst hält. Muss dazu sagen, dass an diesem Sonntag die ausgestellte Kunst schon recht scheußlich war. Echt.

Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, was mein Engländer darauf geantwortet hat. Aber ich weiß noch wie heute, dass es in mir anfing zu glucksen. Langsam. Stetig. Mehr werdend. Bis es aus mir rausbrach und ich völlig unpassend laut loslachte.

Ja, das hat das Eis gebrochen und den ersten feinen Faden zwischen uns gesponnen. Dauerte dann zwar noch ein Weilchen und noch ein paar skurrile Ereignisse mehr, bis wir sowas wie ein Paar waren, aber ein Anfang war gemacht.

Ob ich es bereut habe, so einer fremden Kultur Einlass in mein Leben zu geben? Klar! Aber ich würde es immer wieder machen.

Mal so ein paar Vertreter des britischen Humors

Have Fun

Und was meinst Du dazu?