Don’t Panik!

Panik-Attacken

Vor mehr als 10 Jahren bin ich einem Monster begegnet. Nicht irgendwo – sondern direkt in mir.

Für Außenstehende war es unsichtbar – für mich überpräsent. Es fräste sich in mein Leben. Und isolierte mich. Machte mich zu einem „merkwürdigen Wesen“.

Traumatisiert

Diesen Begriff kannte ich nur vom Hörensagen. Damit verband ich kein Gefühl. Bis es mit einem Mal dick und fett in meinem Leben stattfand.

Von jetzt auf gleich hatte ich Todesangst. Mein Puls raste, mein Verstand setze aus – ich war nur noch eines: PANISCH!

Dieser instinktgelenkter Zustand ist einfach Horror. Irgendwo im Hintergrund blitzt der Verstand auf und signalisiert: „Hey, du bist nicht wirklich in Gefahr. Das sind nur deine Stress-Hormone und andere Reflexe, die dich jetzt in ein Paralleluniversum schießen… es wird gleich wieder gut. Dauert nur eine Weile. Und die musst du leider aushalten. Sorry.“

Wie geht es weiter?

Wenn so ein Zustand über mehrere Wochen anhält. Wenn es dir nicht mehr möglich ist, Auto zu fahren, du ein vertrautes Café fluchtartig verlassen musst, weil du dich unfassbar bedroht fühlst und einfach nur weg willst, wenn du noch nicht einmal Rolltreppe fahren kannst in einem vertrauten Kaufhaus – dann ist das einfach nicht zu fassen.

Was habe ich in dieser Zeit an mir und meinen Verstand gezweifelt. Wie unfassbar fand ich den Gedanken, so die nächsten Jahrzehnte weiterzuleben.

Irgendwann hatte ich eine Diagnose: Panik-Attacken aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Eine im Hintergrund schon seit Jahrzehnten laufende (emotionale) Überlastung.

Erste Maßnahmen

Als nächstes folgte die Einnahme von Antidepressiva. Verschrieben von einem Notarzt, den ich mitten in der Nacht rufen musste, da ich wirklich dachte, ich sterbe*.

Das ging im ersten Stepp leider gründlich daneben. Ich hatte zwar keine Panik-Attacken – aber auch ansonsten keine emotionale Empfindungen mehr. War mehr oder weniger eine Untote. Lebte, aber war nicht dabei.

So wollte ich nicht leben. Deshalb setzte ich alle Medikamente ab. War keine gute Entscheidung und stürzte mich in eine noch tiefere Krise.

Was hatte ich ein Glück, eine sehr wache Hausärztin zu haben. Sie reagierte direkt und verordnete mir zum einem eine Reha und zum anderen deutlich mildere und verträglichere Medikamente.

Ich habe im Anschluss noch einmal eine Reha machen müssen, da mich die Panik knapp 4 Jahre später wieder gefangen nahm. Für mich ein Hinweis darauf, dass ich mein Trauma immer noch in mir trage.

Inzwischen weiß ich, dass ich mein Trauma sehr wahrscheinlich nie ganz überwinden werde. Ich habe verstanden, woher es rührt. Doch kann ich die Vergangenheit nicht ändern – meint: wenn es Situationen gibt, die mich an mein altes Trauma erinnern, dann triggert mich das.

Eine Nebenwirkung, die ich mir gerne erspart hätte, ist eine Gewichtszunahme von gut 20 kg in kürzester Zeit. Diese 20 Kilo sind sehr, sehr treu. Sie scheren sich nicht darum, ob ich Sport mache oder weniger esse. Sie bleiben. Mir treu. Hartnäckig.

Fazit

Auch wenn mein Körper äußerlich mehr Volumen einnimmt, als ich es mag – ich nehme das gerne in Kauf, wenn mir dadurch weitere Panik-Attacken erspart bleiben (3 x auf Holz geklopft). Auch bin ich sehr dankbar für meine therapeutischen Erfahrungen. Durch sie habe ich mir ein gutes Grundgerüst aufbauen können, um fast alle Panik-Anfälle zu managen.

Ich kann nicht ausschließen, dass die Wellen noch einmal über mich schlagen. Doch bin ich sehr dankbar dafür, jetzt schon so viele Jahre ohne schlimme Panik-Attacken leben zu können.


*für alle, die meinen, dass dieses Gefühl ja nur panisch und mit ausreichendem Verstand zu beherrschen wäre – nein. Vergiss es. Wenn dich so etwas anfällt, dann stehst du da einfach nackt im Raum. Ein Ausgang ist nicht sichtbar. Ein wirklich, wirklich ekelhaftes Gefühl.