Preis-Wert

Presiwerte_Kleidung

Schon seit einiger Zeit geht mir ein Thema durch den Kopf und ich überlege, wie ich meine Gedanken dazu aufs Papier bzw. ins Netz gebracht bekomme, ohne das es direkt ein Roman wird. So viel fällt mir zu diesem Thema ein.

Wertigkeit

Welche Ware ist mir welchen Preis wert? Erscheint ja im ersten Moment keine so wahnsinnsschwierige Frage. Aber bei nähere Betrachtung dann schon, finde ich. Was darf zum Beispiel eine Hose kosten? Ein Kaffee, eine Dienstleistung? Was bestimmt den Preis? Klar, die Nachfrage. Aber auch Prestige und Trend. Ist Nachfrage nicht gleichbedeutend mit dem jeweiligen Trend? Nicht unbedingt. Es gibt gerade in der Mode Produkte, die im ausreichenden Maße vorhanden sind, aber die Marke oder der Schnitt sind gerade total trendy und schon kostet das gute Teil auch schon mal doppelt so viel wie ein vergleichbares Stück.

Mich hat diese Preisgestaltung schon immer wenig überzeugt und dazu gebracht, meinem eigenen Modestil zu folgen – fernab von Trend und Marke. Ich finde es Wahnsinn, das z. B. ein Mantel in der laufenden Saison ca. 500 € kostet und bereits in der nächsten Saison nur noch die Hälfte oder noch weniger. Klar, die Lager müssen wieder leer werden. Doch ist das der einzige Grund? Oder gibt es nicht auch eine ausreichend große Käuferschaft, die hohe Preise nur eine Saison lang zahlen, egal wie voll oder leer die Lager sind. Damit meine ich nicht, dass ein Mantel nicht auch 500 € kosten darf. Wenn er es (mir) wert ist.

Die Preisstrategie der hohen Preise funktioniert ja auch nicht überall. Es gibt unzählige Modeketten, die mit genau dem Gegenteil werben – günstig, günstiger, am günstigsten. Wie diese Preise möglich sind, hat sich inzwischen ja schon rumgesprochen:

  • extrem günstige Arbeitskräfte
  • extrem günstiges Material

Hauptsache, der Schein wird gewahrt. Es sieht gut aus, modern, top! Und länger als eine Saison hält das gute Stück in den seltensten Fällen. Muss es ja auch nicht. Wird ja auch nicht gewollt. Weder vom Hersteller noch vom Konsumenten. Es muss sich ja schnell drehen, das Mode-Karussell.

Wechselphasen

Pupertaet

wunderbare Pubertät

Ok, es gibt eine Phase im Leben, da ist das ständige „Neu-Erfinden“ auch hormonell bedingt. Oder kann zumindest davon beeinflusst sein. Die wunderbare Pubertät. Das kann ich gut nachvollziehen. Auch gibt es bestimmt immer wieder Phasen im Leben, da muss sich der Inhalt des Kleiderschranks mal schlagartig ändern. Aber ständig und immer?

Mir geht dabei der Wert verloren. Ich möchte weder ein überteuertes noch ein zu günstiges Kleidungsstück kaufen. Ich möchte einen angemessenen Preis zahlen. Einen Preis, der eine faire und umweltgerechte Produktion möglich macht. Die Süddeutsche Zeitung bemerkte schon vor zwei Jahren, dass eine faire Produktion nicht unbedingt von höheren Preisen abzuleiten ist.

Nur Ökmök?

Das dies inzwischen möglich ist, auch fern der Ökmök-Modelle, die noch vor einiger Zeit fast kennzeichnend für fair hergestellte Mode waren,  zeigt unter anderem ein Artikel der ZEIT aus dem Jahre 2013. Hier werden einige klasse Labels vorgestellt und erklärt, dass es sehr wohl möglich ist, zu vernünftigen Preisen zu produzieren.

Gibt es so etwas nicht auch in meinem direkten Umfeld? Schließlich wohne ich in einer Stadt mit einer langen Textilverarbeitungs-Tradition. Bis heute steht Mönchengladbach für innovative Textilkultur, nicht zuletzt durch den Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik an der Fachhochschule Niederrhein.

Tolle Alternativen vor Ort

Dieser Fachbereich ist ein wirklicher Gewinn für unsere Stadt, da viele nach Abschluss ihres Studiums den Wunsch haben, ihre eigene Mode zu entwerfen. Einige von Ihnen haben dies inzwischen auch erfolgreich umgesetzt. Es wird mir nicht gelingen, hier alle aufzuzählen, aber ein paar als Anregung möchte ich gerne nennen:

Da wäre zum Beispiel Eva Brachten, die inzwischen seit über 10 Jahren unter ihrem eigenen Label produziert und 2009 ihren ersten Showroom aufmachte. Inzwischen hat sie einen wunderschönen Laden in der Eickener Fußgängerzone mit bunter, origineller und funktionaler Mode.

Rabea Landgraf /Label Raumstoff

Rabea Landgraf ©Raumstoff

Oder Rabea Landgraf mit ihrem Label Raumstoff und ihren echt kultigen Taschen aus alten Armeestoff in Verbindung mit groben Karabinern und Sternen. Sternen in allen Farben und Materialien. Bis vor kurzem war sie noch im GemischWarenLaden auf der Eickener Str. 39 zu finden. Zusammen mit 3 weiteren kreativen Frauen, unter anderem Ruth Zadow mit ihrem Label Ankerbraut.

Jetzt hat sie eine neue Heimat auf der Goethestr. 14-16 in Eicken gefunden. Sehr schön und inspirierend. Hier finden sich auch weiterhin Produkte der ehemailigen GemischtWarenLaden-Mädels.

Auch Silke Molitor mit ihrem coolen Label Spochtsfrau fällt mir hier ein. Ihr „Hachter Hund“-T-Shirt begleitet meinen Engländer (der Mann, der sich mit mir Wohnung und Leben teilt) schon seit Jahren treu und sieht immer noch aus wie neu.

Der neue Trend: DIY

Darüber hinaus gibt es ja auch die Möglichkeit, sich seine Kleidung selber zu machen. Gut, das ist mit einigen Risiken verbunden (passt doch nicht oder alle Nähte sind krumm) und liegt bestimmt nicht jedem. Doch möglich ist es, nicht zuletzt durch das Atelyeah von Michaela Drosten. Hier können auch so Näh-Legasteniker wie ich durchaus vorzeigbares produzieren.

Für mich steht fest: Lieber einen angemessenen hohen Preis für ein Lieblingsstück zahlen, bei dem ich auch kein schlechtes Gewissen haben brauche, als ständig (zu) günstige Kleidung unter schlechten Produktionsbedingungen kaufen.

Second_hand_modeAlternativ dazu geht ja auch das Kaufen auf Trödelmärkten und in Second-Hand-Läden. Da klappt es dann auch mit den Designer-Teilchen zum Schnäppchenpreis.

P. S. Eine schöne Gelegenheit, sich von den kreativen Mächten in meinem Viertel zu überzeugen, ist das LATE-NIGHT-SHOPPING am kommenden Freitag (13.11.15).

Und was meinst Du dazu?