Rasanter RadAusFlug

Sonntags-Ausflug

Eigentlich wollte ich heute über eine entspannte  Fahrradtour am Sonntag schreiben. Das Wetter war super – herbstlich, aber mit Sonnenschein – und das gewählte Ziel auch recht idyllisch: Ein Bauerncafé in Lüttelforst. Aber…

…es gab einen blöden Störfaktor. Zwar erst gegen Ende der Tour, doch dann um so heftiger. Doch erst einmal zur Vorgeschichte:

Bike mit E

E-BikeDer wunderbare Mensch an meiner Seite (nein, nicht verheiratet, aber dennoch sehr verbunden) hat ein Fahrrad „geerbt“. Mein Stiefvater hat das Fahrradfahren für sich ad acta gelegt und vermachte meinem Freund sein E-Bike. Ja, so ein richtig geiles „Alte-Leute“-Rennrad. Das war auch meine Meinung, bevor ich zum ersten Mal damit fahren durfte.

Dann allerdings hat sich meine Meinung sehr schnell, also wirklich sehr, sehr schnell, geändert. Das Rad fuhr sich phantastisch! Den Berg mal eben locker erklimmen – kein Problem! Über 30 km in ein paar Stunden – auch easy. Ein paar Mal auf „+“ oder „-“ drücken und schon hatte ich die ideale Geschwindigkeit und fuhr mit nahezu 25 km/h durch das Schwalmtal. Richtig fein!

Kaffeepause und so

Bauerncafé LüttelforstBesagtes Bauerncafé wurde aufgesucht, leckerer Kuchen (hatten wir uns ja verdient) verspeist und die Rückreise nach einer großzügigen Erholungsphase angetreten.

Dank des neuen Rad-Navis fanden wir auch eine schöne Strecke mit wenig Verkehr und viel Natur. Immer wieder mal angehalten und die Kamera rausgeholt. Ein paar Fotos für die Nachwelt geschossen und weiter ging es.

Es war richtig gut und total entspannt. Hatten überlegt, noch einen weiteren Kaffee in einem weiterem Café zu genießen, als ich „mal eben“ die Straßenseite wechseln wollte. Ja, war doof. Hatte nicht bedacht, wie schnell ich doch mit diesem Traumrad sein kann (und auch war) und dass in so einem Falle abruptes Bremsen gar nicht gut kommt. Und so kam ich dann auch zu meiner Flugstunde. Höchst unfreiwillig, aber dennoch.

Stopp!

Durch das abrupte Bremsen stand ich förmlich vor einer unsichtbaren Mauer und fiel mit voller Wucht rechts auf die Seite, bzw. auf den Bürgersteig. Am schlimmsten war mein rechter Unterarm getroffen. Wobei die Wucht des Aufpralls auch für ein anständiges Schleudertrauma gesorgt hat. Das Rad war auf meinen Beinen zum Stoppen gekommen, was diese auch nicht ohne Folgen überstanden haben.

Zuerst dachte ich, ich könnte mich sofort wieder aufs Rad setzen. Bin ja nicht auf den Kopf gefallen (oder doch?) und die paar blauen Flecken…

…aber nach dem Aufstehen wurde mir doch sehr – ich meine SEHR schwindelig und übel. Dann doch besser erst einmal hinsetzen.

Unbekannte Retterin

Mein Glück – eine Autofahrerin, von der ich mir leider weder den Namen noch die Autonummer gemerkt habe (einen ganz, ganz herzlichen Dank an Sie, Frau Unbekannte!!!) hielt an und fragte, ob sie helfen könnte. Ja, konnte sie.

Zuerst dachte ich, ich fahre einfach nach Hause und kuriere mich aus. Doch schon im Auto wurde mir ganz anders. Sie sah mich an, erschrak und meinte: „Ich fahre Sie doch besser ins Krankenhaus.“ – „Ok“. Doch nach ein paar Minuten wurde ihr die Sache zu unheimlich. Sie fuhr auf einem Parkplatz und rief einen Krankenwagen. Der kam dann auch recht schnell und fuhr mich geradewegs in die Notaufnahme.

Das besagte Glück im Unglück

Ich denke, das war mein Glück, denn ich wurde schnell untersucht. Wenn ich als normaler Notfall-Patient angekommen wäre, hätte das Ganze wohl wesentlich länger gedauert.

So lag ich bereits eine Stunde später in einem Krankenbett, bekam ein schönes Zimmer mit einer sehr angenehmen Zimmergenossin und konnte erst einmal schlafen. Das tat gut!

Vorher war ich noch gründlich untersucht und geröntgt worden. Es war nichts gebrochen und außer den Prellungen, der leichten Gehirnerschütterung und dem Schleudertrauma hatte ich es einigermaßen gut überstanden. Zum Glück trug ich meinen (ORANGEN) Helm, Fahrradhandschuhe, Schal und eine dicke Fliesjacke. Das hat wohl das Schlimmste verhindert. An den Beinen, die nur von einer normalen Strumpfhose geschützt waren, hab ich jetzt die größten Wunden davon getragen. Am rechten Arm, auf dem ich mit voller Wucht geprallt war, habe ich zwar auch ein bunt schimmerndes, großes Hämatom, aber der Arm hätte aufgrund der Wucht locker gebrochen sein können. Doch die dicke Fliesjacke hat da wohl gut geschützt.

Am meisten hat mich aber mein Helm geschützt. Ja, ich weiß, es gibt immer noch Menschen, die keinen Fahrradhelm tragen möchten/wollen. Das kann auch jeder für sich entscheiden. Ich fühle mich deutlich wohler mit Helm. Und zwar nicht, weil ich mich für eine unsichere oder schlechte Fahrerin halte, sondern weil ich nie weiß, in welche Situation ich gerate. Und Fehler passieren uns alle.

Ab nach Hause

Heute, nach 2 Tagen, durfte ich das Krankenhaus wieder verlassen. Noch ein wenig wackelig auf den Beinen und noch mit kräftigen Nackenschmerzen, aber froh und erleichtert, das Ganze doch recht glimpflich überstanden zu haben.

Lag es nun am neuem E-Bike? Wäre mir der Unfall auch mit meinem Rad passiert? Keine Ahnung. Es stimmt schon, mit meinem Rad wäre ich nicht so schnell gewesen. Aber auch nicht noch so fit. Nach 30 km wäre ich vollkommen platt gewesen und dann auch unfallgefährderter. Ja, es gibt Studien, die belegen, dass E-Bikes gefährlicher als normale Räder sind. Aber es gibt auch Gegenstudien, die darauf hinweisen, dass zu der höheren Unfallrate auch ein wesentlich höheres Nutzungsverhalten zu beobachten ist. Klar, wenn ich nur einmal in der Woche fahre, ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken um ein Siebtel geringer, als wenn ich jeden Tag fahre.

Ausprobieren

Wie dem auch sei – ich kann jeden nur empfehlen, mal auf so ein „Alte-Leute“-Rad zu steigen. Macht echt Spaß. Und wenn man dann noch bedenkt, dass der Bremsweg evtl. länger ist, da mehr Speed, dann klappt das auch prima.

Ich bin jetzt gestützt und hab mir mächtig leid getan. Aber viele fahren schon seit Jahren damit – und zwar unfallfrei.

Lüttelforst

LuettelforstP. S. Lüttelforst im Herbst ist echt ein Ausflug wert. Sehr viel Landschaft und nette, kleine Orte auf dem Weg. Und das bunte Herbstlaub… herrlich!

Und was meinst Du dazu?