Ey, Respekt!

respekt

Seit ein paar Wochen zerbreche ich mir den Kopf, wie ich das, was ich heute schreiben möchte, in die richtigen Worte fasse. Zu schnell klappen mir da Schubladen auf und sehr entschieden wieder zu. Ich denke nur sehr selten in Schubladen. Schubladen haben durchaus ihren Sinn, beim Aufbewahren von Socken oder meinetwegen auch von Schreibkram, Werkzeug und Küchenutensilien. Aber ansonsten mag ich lieber ein kreative Chaos.

Raus aus der Schublade

So halte ich das auch mit meiner Weltanschauung. Grobe Ordnung: Mensch, Tier, Pflanze – total ok. Aber damit ist auch schon Schluss. Dass Katzen sich mit Hunden vertragen können, wurde oft genug unter Beweis gestellt. Auch Vögel und Katzen können miteinander auskommen. Kommt alles auf die Umstände an. Wichtig bei alledem ist aus meiner Sicht nur eins – der gegenseitige Respekt.

Vielleicht ist das jetzt zu kurz gegriffen. Außer Respekt sind sicherlich noch ein paar andere Dinge wichtig, wie Toleranz, Phantasie und Humor.

Humor? Ja, klar! Wenn ich mich selber zu ernst nehme, was fange ich dann an in dieser Welt? Humor ist für mich – ähnlich wie Musik – eine nonverbale Art der Kommunikation. Über die selben Sachen lachen verbindet. Und am coolsten finde ich, wenn jemand über sich selber lachen kann.

Thema?

Ich wollte über Respekt schreiben. Im ersten Moment klingt das für viele streng. So nach „stramm stehen“, so militärisch. Doch ursprünglich hat es damit überhaupt nichts zu tun. Vielmehr geht es um die Berücksichtigung des anderen. Das Wahrnehmen „Aha! Da ist noch jemand anderes. Und der hat auch Bedürfnisse. Die darf ich nicht ignorieren.“

In der Schule habe ich einen Spruch eingebläut bekommen:

„Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.“

Es gibt mehrere Vermutungen, aber keine klare Quelle für diese These. Oder ich habe zumindest keine finden können. Ist mir auch egal, woher sie stammt. Ich finde sie sehr, sehr wahr. Für mich ist das eine gute Umschreibung von Respekt.

Am liebsten würde ich mich derzeit auf einen Berg stellen. Einen Berg, der die ganze Welt überragt. Und dann würde ich mantraartig immer wieder diesen Spruch aufsagen. In der Hoffnung, dass er sich bei allen Menschen ebenso einbläut wie bei mir.

Lust und so

Wie kann es angehen, dass mitten in Europa, ach, was sage ich, überhaupt irgendwo auf der Welt, immer noch Menschen diskriminiert werden?  Wie funktioniert das Paradoxum, dass Menschen mit fremdländischer Herkunft zwar selber respektiert werden wollen, nicht vorverurteilt, nicht diskriminiert, aber Frauen gegenüber anders denken. Als wären Frauen mindere Wesen.

Was müssen wir Frauen noch tun, damit endgültig (und weltweit) klar ist, dass wir ganz normale Menschen sind? Kann doch nicht wahr sein!

Auch wir Frauen haben Bock auf Sex. Auch wir Frauen finden so manchen total heiß und entwickeln wilde Phantasien. Aber wir RESPEKTIEREN den Willen des anderen.

Puh, hoffentlich lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster. Doch ich persönlich kenne keinen Fall von sexueller Übergriffigkeit einer Frau.

Cologne is callling

Ja, Cologne is calling. Doch es geht mir nicht nur um Menschen mit Migrationshintergrund. Ich selber habe vor gefühlten 100 Jahren bei einem Reggae-Konzert gekellnert und bin von durchaus deutsch-aussehenden Männern angegrabscht worden. Und zwar so heftig, dass ich daraufhin nie mehr an Karneval gekellnert habe. Es ist also durchaus kein Problem, dass nur aus dem Ausland kommt. Mir werden bestimmt viele Frauen zustimmen, die selber die ein oder andere Erfahrung mit Nicht-Migranten zu erzählen haben.

Dennoch stachen die Übergriffe in Köln an Silvester hervor. Wie konnte es dazu kommen? Eine interessante Theorie dazu vertritt Hamed Abdel-Samad, Politikwissenschaftler und Publizist: „Das hat auch mit dem Islam zu tun.“ Ja, auch ich glaube, dass die übertriebene und heuchlerische Verdammung der Sexualität zu solchen Resultaten führen kann.

Überall

Doch das ist es nicht alleine. Mein Wunsch nach Respekt geht weiter. Übergreifend auf alle menschlichen Belange.

Es gibt einen Film von Ernst LubitschSein oder Nichtsein. Eine Persiflage auf Hitler und das 3. Reich. Diesen Film liebe ich. Als Jude kannte sich Lubitsch gut mit Respektlosigkeit und Klassendenken aus. Tief berührt hat mich der Satz:

„Und wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht ebenso wie ihr?“

Der Satz stand hier als Beispiel für die Gleichheit der Menschen, unabhängig davon, ob Jude oder Arier, ob Hetero- oder Homosexuell.

Auch wenn es in einige Köpfe immer noch nicht rein geht – alle Menschen sind gleich-berechtigt! Grundsätzlich! Es wäre mir ein Fest zu erleben, dass wir diese Erkenntnis im 21. Jahrhundert endlich (endlich!) leben. Gerne überall auf der Welt!

 

Und was meinst Du dazu?