Ich selbstständig

Mein Weg

Jou. Fast ein Jahr. Ohne doppelten Boden. Selber ständig. Ganz schön… ja, was eigentlich?

Eigen-verantwortlich

Ganz eigen-verantwortlich zu sein war immer schon ein Bestreben von mir. Nur unter erträumt besseren Umständen. In meiner Phantasie war alles klar. Wenn ich erst einmal selbstständig wäre, wenn ich meiner inneren Mission folgen würde, dann würde alles besser werden.

Vielleicht ist das auch so. Aber nicht auf allen Ebenen. Einiges klappt wirklich besser, aber andere Dinge. Puh! Die stellen sich erst einmal breit und quer in den Raum.

Es ist auf jeden Fall ein Schritt. Und für viele auch einer ohne Umkehr. Wobei ich es auch überhaupt nicht schlimm finde, wenn man sich selbstständig auf den Weg macht und dann feststellt: „Och, nee. Das mag ich nicht. Lieber angestellt und mit mehr Sicherheit.“ Das ist durchaus legitim und in den meisten Fällen auch wesentlich vernünftiger.

Vernunft ist auch nicht das Argument, was im Falle einer Selbstständigkeit als erstes gewählt wird. Da gibt es andere Attribute: Selbstbestimmung, Eigenwille, Querdenken, Freiheit, Drang.

Bei mir war es überwiegend mein untypisches, berufliches Wesen. In den 60ern geboren, einer Generation, die sich so unglaublich emanzipiert fühlte, merkte ich bald, dass in meinem beruflichen Umfeld der Raum für mich als Frau, alleinerziehende Mutter und technikbegeisterter Mensch, recht eingeschränkt war.

Ich passte nur bedingt ins Schema. Zumal ich nicht studiert hatte. Warum auch immer. Es fiel meinem Umfeld schwer, mir Eigenschaften zuzutrauen, die nicht zu dem Klischee-Bild von mir passten. Äußerlich entsprach ich dem Klischee vielleicht sogar. Ich war lange Zeit recht angepasst. Fühlte mich unnormal. Traute mich nicht, zu mir zu stehen. Wusste auch gar nicht, wer ich eigentlich war.

Deshalb bin ich auch nicht traurig darüber, dass es so lange dauerte, bis ich diesen Schritt gehen konnte. Gehen wollte. Den Schritt in die Selbstständigkeit. Denn dieser Prozess läuft ja sowohl äußerlich als auch innerlich. Und mein innerliches, selbstständiges Wesen brauchte seine Zeit, um zu wachsen.

Der Weg ins Glück

Nun ist es so. Ich bin diesen Schritt gegangen. In einem Alter, wo viele eher in die andere Richtung tendieren. Was ich durchaus verstehen kann. Es ist weiß Gott nicht so, als wäre meine Entscheidung der Weg ins Glück. Für alle. Nein. Aber hoffentlich für mich.

Ich war immer schon eigenwillig. Nicht aus rebellischen Gründen, also nicht zum Selbstzweck. Eher so wie jemand, der feststellt, drei Arme zu haben. Da kannste auch nix machen. Ist dann eben so. Und lange Zeit habe ich versucht, mich irgendwie einzusortieren. Ich wollte ja gar nicht auffallen. Ich wollte einfach nur sein. So, wie ich bin. Und gerne mit dem Gefühl, ok zu sein.

Bestimmt gibt es Menschen, die sich hier verständnislos fragen, was denn mein Problem war. Menschen, für die es im weit größeren Maße normal ist, zu sich selber zu stehen. Ja. Bestimmt. Doch ich gehörte nicht dazu. Für mich war das nicht so einfach. Ich hatte lange den Wunsch, doch bitte so wie die anderen zu sein. Und brauchte meine Zeit um zu erkennen: Wenn ich so bin wie ich meine sein zu müssen, bin ich nicht mehr ich.

Ich bin froh um jeden einzelnen Schritt, den ich dafür gehen musste. Okay. Um die meisten. Ein paar hätte ich mir auch echt gerne gespart. Ich wäre genauso froh, wenn ich auf eine andere Weise meine innerliche Zufriedenheit gefunden hätte. Doch es tut mir so ungemein gut, meinen beruflichen Alltag selbst bestimmen zu können. Ständig neu zu lernen. Ständig zu wachsen. Das geht auch auf anderen Wege. Aber nicht so gut für mich.

Habe letztens noch einen Test gemacht. Ging darum, den Kern meiner Wünsche herauszufinden. Hab einfach assoziativ geantwortet. Kamen vier Schwerpunkte heraus:

  • Eigenständigkeit
  • Freiheitsliebe
  • Partnerschaft (sorry, echt nur auf Platz 3)
  • Wertschätzung

Wie sehe es bei euch aus? Was ist euer berufliches Wohlfühl-Gefühl?

Finde es spannend, wie unterschiedlich hier die Bedürfnisse sind. Und auch spannend, wer sich im Laufe seines Lebens getraut hat, zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen.

P. S.

Zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen: Das klingt manchmal so satt. So über dem Limit. Besonders angesichts der vielen Menschen, die bestimmt auch gerne dem Ruf ihrer Bestimmung folgen würden, aber vor lauter Lauter gar keine Dimension dafür haben.

Um so erstaunlicher ist es für mich, dass es Menschen gibt, deren Drang, so zu sein, wie sie nun einmal sind, so groß ist, dass sie es einfach leben. Egal, welche Folgen das hat. Denke oft, dass dies keine freiwillige Entscheidung ist sondern eine Wesensart. Bringt den Menschen, die so gestrickt sind, auch nicht nur Glück, Ruhm und Ehr. Doch sie können nicht anders. Da ist so viel Gefühl.

Und was meinst Du dazu?