Totale Entschleunigung

Entschleunigen in Oberfranken

Ich lasse mich gerade runderneuern. Weniger äußerlich, mehr so innerlich. Stand einfach mal an. Und tut unheimlich gut.

Verschlagen hat es mich an einen Ort in Bayern. Genauer gesagt in Oberfranken. Mitten im Nichts. Es handelt sich zwar um ein ehemaliges Kurbad, aber der Lack ist ab. Besonders im Winter. Zumindest war das mein erster Eindruck. Hier ein paar Wochen bleiben – oooohhhh!

Kleine Liebe

Doch inzwischen bin ich fast so etwas wie verliebt in das kleine Dorf. Okay, leben würde ich jetzt nicht gerade hier, aber für ein paar Wochen ist es durchaus aushaltbar. Und entschleunigend. So was von!

Das fängt schon beim Einkaufen an. Hier wird nicht gedrängt. Noch nicht einmal annähernd beeilt. Schließlich geht man doch nicht einkaufen, weil etwas fehlt. Nein, hier wird eingekauft, um die sozialen Kontakte aufzufrischen, bzw. am Leben zu erhalten. Und das kann dann auch mal dauern. Da gibt es die Nachfrage nach dem kleinen Peter, nach der Frau Müller, dem Jupp und der Käthe. Muss ja alles geklärt werden. Hinterher bleiben noch Fragen offen. Das will ja keiner 🙂

Und so stehe ich also regelmäßig mit meinem Paket Taschentücher, meiner Tüte Milch oder anderen netten Sachen an der Kasse hinter so einem Menschen, der mir das Entschleunigen lehrt. So oft, wie ich da leise „Ommmm“ sage…

Das reale Facebook

Doch es zeigt Wirkung. Ich lausche inzwischen den kleinen Geschichten und schaue dafür weniger bei Facebook und Co. nach. Auch finde ich so endlich mal Zeit, in Ruhe über Nichts nachzudenken. Manchmal schon so intensiv, dass ich mehrmals angesprochen werden muss, wenn ich dann doch mal dran bin. Aber wenn ich dran bin, komme auch ich in den Genuss des „Sich-Zeit-Lassens“. Ich werde nicht nur gefragt: „Ist das alles?“, sondern auch, wie ich das Wetter finde oder was ich noch so vorhabe am Tag. Und wenn ich eine Frage habe, stoße ich auf ehrliches Bemühen, mir diese zu beantworten. Gefällt mir sehr gut. So gut, dass ich jetzt sogar für jedes Teil einzeln einkaufen gehen. Na ja, das ist jetzt ein wenig geschwindelt, aber den Gedanken hatte ich zumindest schon.

Dorfidylle

Dorfidylle

Auch gelten hier noch ganz verstaubte Öffnungszeiten. Hier ist mittags alles geschlossen und um halb sieben gehen die Bürgersteige hoch und die Ladentüren zu. Und Samstag ist um 12.00 (!!!) Uhr Schluss. Unvorstellbar in der Stadt, in der ich wohne. Die Hälfte der Bevölkerung würde am Wochenende Hunger leiden.

Entschleunigung zum Mitnehmen?

Aber irgendwie funktioniert auch hier das Leben. Nicht ganz so schnell und topmodisch, aber dafür total entschleunigt und freundlich. Ja, nahezu herzlich. Das wird mir ganz schön fehlen, wenn ich den Frankenwald wieder verlasse und zurück zum Niederrhein kehre. Aber vielleicht kann ich ja das ein oder andere Entschleunigungs-Programm auch zu Hause etablieren. In meinem Viertel gibt es ja bereits ein paar nette Läden, die genauso funktionieren.

Und was meinst Du dazu?