Ich hab Zeugs

Zeugs

Glaube ich an Re-Inkarnation? Hm, weiß nicht. Aber irgendwie scheinen in mir alte Gene zu wohnen. Zumindest ein Gen: Das „Jäger und Sammler“-Gen.

Ich sammle. Willkürlich. Einfach alles, was mich anspricht, alles, was eine Seele zu haben scheint. Oder einfach nur gut aussieht.

Trendy

Und ja, ich bin auch trendanfällig. Obwohl ich das in der Öffentlichkeit natürlich vehement verleugnen würde. Ich bin doch autark! Hab einen eigenen Geschmack – unabhängig von den Massen…

Ja, schön wär’s. Doch es ist unendlich schwer, sich in unserer Gesellschaft vor Trends zu verschließen. Trends bringen ja auch ein Lebensgefühl zum Ausdruck. Ein Spiegel dessen, was in unserem Leben aktuell ansteht. Mit Trends werden auch Sehnsüchte sichtbar. Träume ich von einer Welt mit mehr Natur, lasse ich mir vielleicht einen Bart stehen, um als Holzfäller zu gelten.

OK, in meinem Fall wird das mit dem Bart-stehen-lassen doch recht schwierig, aber auch wir Mädels finden optische Möglichkeiten, unsere Sehnsucht nach mehr Natur mitten in der Stadt zum Ausdruck zu bringen. Gehen mit geflochtenen Körben auf dem Markt einkaufen oder tragen Kleider mit floralem Muster. Haarzöpfe sind auch gerade sehr angesagt – als Pendant zum Bart.

Schön finde ich die Entwicklung im Bereich Handarbeit. War es doch über Jahrhunderte verpönt, wenn Männer strickten, nähten oder andere Arten der Handarbeit gerne ausübten, sind es heute die Trendsetter in Berlin, Hamburg und Köln, die wahre Lawinen an selbstgemachten Mützen und Schals über uns ausschütten. Was für ein Segen!

Ich komme wieder vom Thema ab. Trend ist das eine, Anhäufen das andere.

Alles ist im Wandel

Gerade durchlaufe ich einen Geschmackswechsel. Lange Zeit hing ich an alten Möbeln. Fand es toll, wenn Weichholzmöbel aus vergangenen Tagen mich begleiteten. War ja auch schön – in Verbindung mit Korbsesseln und getrocknete Blumensträuße. Doch je mehr die Blumensträuße verstaubten, desto mehr schrie mein Herz nach Veränderung. Auch hatte sich im Laufe der Zeit in so ziemlich jedem freien Eckchen etwas angesammelt. Deshalb – Zeit für eine Veränderung.

Ja, und plötzlich fand ich Dinge und Möbel schön, die mir noch vor ein paar Jahren überhaupt nicht gefallen hätten. Weil ich diese jetzt so oft in irgendwelchen Magazinen sah oder Freunde von mir damit eingerichtet sind. Also wurde umsortiert. Von vielen Möbeln wurde sich getrennt, einige neue durften einziehen. Insgesamt ist es luftiger und heller geworden. Hab das Gefühl, wieder durchatmen zu können.

Schattenseite der ganzen Rumräumaktion ist der große Haufen an Sachen, denen ich jetzt keinen Platz mehr anbieten kann. Unglaublich, dass so viele Sachen, die ich schon seit Jahren nicht mehr bemerkt, bzw. benutzt habe, hier noch rumstanden. Sehr, sehr viel Zeugs.

Getrennte Wege

Jetzt wird sich getrennt. Was gar nicht mehr geht, kommt ganz weg. Aber vieles ist noch top in Ordnung, nur passt es jetzt nicht mehr. So etwas schmeiße ich nicht weg. Das wird verschenkt oder vertrödelt.

In den letzten Wochen habe ich einige große Säcke mit Kleidung abgegeben – an Organisationen, die für Bedürftige und Flüchtlinge sammeln, wie z. B. das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie oder die Caritas. Es hat mich schon ein wenig erschrocken, wie schnell sich diese Säcke füllten. Kann es sein, dass ich so viel an Kleidung angesammelt hatte? Kleidung, die ich gar nicht mehr trage, die aber immer noch top in Ordnung ist? Hm, ein wenig beschämend.

Bei den Möbeln hab ich mich wieder einiger bekannter Autionsbörsen bedient. Hierüber habe ich selber die meisten meiner Möbel bezogen, da ich finde, dass auch Möbel „aufgetragen“ werden dürfen. Nur weil jemand seinen Wohnungsstil ändert, müssen die Dinge ja nicht in die Müllpresse. Und auch diesmal haben sich einige schöne Geschichten ergeben. Mein Schreibtisch steht jetzt in Berlin (!). Ja, Berlin. Knapp 600 km entfernt. Doch der Zufall wollte es, dass Besuch aus dem Rheinland eh am WE dorthin wollte und den Schreibtisch einfach mitgenommen hat. Wenn man schon mal unterwegs ist…

Auch mein schöner Lounge-Sessel steht jetzt weit entfernt von Mönchengladbach – in Kiel. Hier wollte es der Zufall, dass Leute aus Viersen, die nach Kiel ziehen, gerade jetzt so einen Stuhl suchten. Nun darf er Seeluft schnuppern. Und mein schönes Ex-Sofa steht samt Opiumtisch (also so ganz ohne Opium) und Teppich in Düsseldorf, bei der Freundin einer Freundin.

Mir gefällt der Gedanke, dass Sachen, an denen ich selber gehangen und die ich liebevoll gepflegt habe, bei Leuten eine Heimat finden, die auch mit Herzblut unterwegs sind. So ein bisschen Seele hängt ja immer dran.

Rumtrödeln

Und jetzt steht die nächste Etappe an – das vertrödeln der Eckenfüller.

Eckenfüller

Eckenfüller

Was bin ich froh, dass in meinem geliebten Viertel am kommenden Samstag ein wunderschöner Nachttrödel stattfindet. So richtig cool mit DJ und Catering von einem meiner Lieblingscafés.

Wie ich mich kenne, wird zwar das ein oder andere meiner Schätze weggehen, aber auch einiges wieder Einzug bei mir finden. Zu groß ist die Versuchung, wenn ich an den Ständen der anderen vorbeischlendere. Doch diese Art des Kaufens ist für mich ein besonderer Genuss, da ich

  1. nur bei Leuten kaufe, die ich sympathisch finde – und –
  2. nur Sachen kaufe, die mich intensiv anlächeln. Also nicht wirklich, mehr so sphärisch 😉

Ganz leer dürfen die Ecken ja auch nicht bleiben –  sonst habe ich ja nichts mehr zum Einstauben.

Und was meinst Du dazu?